Fußnoten

 

1. Junge Freiheit: rechtsextreme Wochenzeitung der "Neuen Rechten". Sie versucht, die Grenzen zwischen organisierten Neonazis und Konservativen zu überwinden und damit mit ihren politischen Vorstellungen in die "Mitte der Gesellschaft" vorzudringen. Die "Junge Freiheit" wird selbst vom Verfassungsschutz als "rechtsextrem" eingestuft und ihre Lesekreise inklusive geheimdienstlicher Mittel beobachtet. 

2. Peter Boßdorf: war bis 1989 stellvertretender Vorsitzender in der offiziellen Studentenvertretung der organisierten Vertriebenen "Ostpolitischer Deutscher Studentenverband" (ODS) (inzwischen GDS - Gesamtdeutscher Studentenverband), 1985 wird er als Mitglied des "Witikobundes" geführt, einer ultrarechten "Plattform" innerhalb der "Sudetendeutschen Landsmannschaft", 1992 wird er Mitglied des neurechten Thule-Seminars. Zeitweise engagiert er sich zudem in der Kommunalpolitik für die"Republikaner" und schreibt für die rechtsradikale Zeitung "Nation und Europa".. Unterhält Kontakte zum rassistischen "Vlaams Blok", einer nationalistisch-separatistischen Partei aus Belgien.

3. Leni Riefenstahl: Nazi-Filmemacherin und - Fotografin. Innerhalb der rechten Szene gilt sie als Avantgardistin der "artgerechten Kunst". Adolf Hitler beauftragte sie persönlich zur filmischen Darstellung seiner Person und der NSDAP-Parteitage. Riefenstahl ästhetisierte Hitler in "Triumph des Willens" über den NSDAP-Parteitag 1934. In den Olympia-Filmen "Fest der Schönheit" und "Fest der Völker" idealisiert sie erneut die "arische Rasse" und Volksgemeinschaft. Die heute 95jährige Riefenstahl hat sich nie klar von ihrer NS-Vergangenheit und ihrem persönlichen Kontakt zu Hitler distanziert. 

4. Ernst Röhm: SA-Führer bis Juni 1934. Die SA war verantwortlich für die blutigen Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern in der Zeit vor dem Nationalsozialismus. Röhm wurde 1934 aus machtpolitischen Gründen von Hitler hingerichtet 


5. Nachzulesen in einem Interview mit Patrick O'Kill im Booklet der CD "The Little Death" von Six Comm/Mother Destruction (1994)

6. "Die Protokolle der Weisen von Zion": Der Text geht zurück auf die antimonarchistische Satire "Dialog in der Hölle" des französischen Journalisten Maurice Joly von 1864. Die absolut nicht antisemitische Satire wurde 1896/97 vom russischen Geheimdienst zur folgenreichsten antisemitischen Verschwörungstheorie umgeschrieben. Die gefälschten "Protokolle" enthalten sämtliche bekannten antisemitischen Ressentiments: von einer angeblichen "jüdischen Weltverschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft" über "gekaufte Parlamente und Presse" bis zu "Plänen, die christliche Familie zu vernichten. Zar Nikolaus II. - selbst glühender Antisemit - war zunächst begeistert, ließ die Verbreitung des Textes dann aber verbieten, weil er annahm, daß eine so platte Fälschung für eine antisemitische Kampagne untauglich sei. Doch die Verbreitung der "Protokolle" war nicht mehr aufzuhalten. 1903 erschienen sie erstmals in der Zeitschrift "Snamja" der "Schwarzhundertschaften", einer Bande von erzreaktionären antirevolutionären Terroristen. 1905 wurden sie als "Dokument" in der 2. Auflage des Buches "Das Große im Kleinen" des russischen Mystikers Sergej Nilus abgedruckt. Der amerikanische Autohersteller Henry Ford kaufte eigens eine Zeitung samt Verlag, um die Hetzschrift im englischen Sprachraum bekanntzumachen. In Deutschland sponserte das Haus Hohenzollern Anfang der 20er Jahre die Verbreitung der "Protokolle". Adolf Hitler referierte darüber in "Mein Kampf". In Deutschland wird die Verbreitung der "Protokolle" heute strafrechtlich verfolgt. "Der Text vermeidet es weitgehend, irgendwelche Namen, Orte oder Jahreszahlen zu nennen - auch darum ist er bis heute das Manifest der Antisemiten geblieben, beliebig anwendbar, weil er so beliebig ist." (konkret 7/98). "Hundert Jahre nach ihrer Entstehung sind die "Protokolle" so populär wie nie zuvor" (konkret 8/98).

 

7. Ernst Jünger (1895 - 1998): Nahm 1914 als Kriegsfreiwilliger am I. Weltkrieg teil. Ab 1925 freier Schriftsteller. Mitarbeiter in Zeitschriften der nationalen Rechten. 1939 wurde er von den Nazis als Hauptmann reaktiviert. 1945-1949 unterlag er einem Publikationsverbot, weil er sich weigerte, den Entnazifizierungs-Fragebogen der Alliierten auszufüllen. Sein berühmtestes Buch ist "In Stahlgewittern - Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers" (1920). Ernst Jünger genießt auch heute noch großes Ansehen in konservativen Kreisen bis hin zu Bundeskanzler Helmut Kohl.

8. London After Midnight: US-amerikanische Tunten-Goth-Band. Ihr Song "Revenge", der mit einem Hitler-Sample beginnt, wurde von manchen fälschlicherweise als nazistisch interpretiert. Laut Auskunft eines Bandmitglieds haben sie sich Hitler herausgesucht, weil er als Sample für ein Song gegen Ignoranz und Vorurteile am geeignetesten erschien, "because he was the biggest asshole we could find". "You cannot judge / what you don't understand / take the blade / from the child's hand... you say a fall from grace would suit me well / well you can crawl straight back to hell! "Der Refrain lautet: "Repense - Remorse - Revenge" (Bereue - Reue - Rache!). LAM beziehen sich auf solche Größen wie die Dead Kennedys, Courtney Love und William S. Burroughs und sind - obwohl sie das - von neofaschistischen Organisationen häufig - benutzte "Keltenkreuz" als Symbol verwenden (wie auch Velvet Undergrounds Nico) - klar in ihrem antifaschistischen Standpunkt.

 

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