Grufties gegen Rechts

Geister Bremen

Erklaerung zur Aufloesung

“Zwei Dinge sind unendlich, die Dummheit und das All” (Albert Einstein)
Erklärung der Grufties gegen Rechts Bremen / Music for a new Society zur Einstellung ihrer politischen Arbeit

Mitte Oktober 2003, kurz nach unserem gelungenen 5-Jahres-Jubiläums-Festival im Kulturzentrum Schlachthof (Bremen), entschieden wir uns aus verschiedenen Gründen die politische Arbeit einzustellen und veröffentlichten auf unserer Homepage (www.geister-bremen.de) einen entsprechenden kurzen Hinweis mit der Ankündigung einer ausführlicheren Erklärung, die wir hiermit vorlegen. Hervorgehoben sei an dieser Stelle, daß die Einstellung der politischen Arbeit keine vollständige Auflösung der Gruppe bedeutet. So werden beispielsweise einige von uns weiterhin kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Parties organisieren. Kurz nach dieser Ankündigung knallten auf www.lichttaufe.com und in diversen anderen rechten Foren die Sektkorken! Allein die Einträge im Lichttaufe-Forum sprachen Bände: "was für ein Tag..." wurde u. a. jubiliert. Gleichzeitig wurde die Befürchtung geäußert, daß es "genug andere geben” wird, die die bisherige Arbeit der Bremer Grufties gegen Rechts (GgR) "weitermachen" und deren "moralischen sowie gesellschaftlichen Auftrag" auch in Zukunft ausfüllen werden. Die Warnung an die Kameraden lautete folgerichtig: "also mal lieber keine Hoffnung machen"! Auch "optimistischere" Töne waren zu vernehmen: "Vielleicht aber verlieren nun die deutschen Gothics wieder ihre lachhaften Berührungsängste mit dem angeblichen "rechten" Rand ihrer Szene"... Diese und andere Reaktionen auf die Nachricht unserer politischen Auflösung zeigen vor allem eines: dass wir den “rechten Kulturkämpfern” in den letzten 5 Jahren ein Dorn im Auge waren und sie erfolgreich in ihren braunen Umtrieben behindert haben! Wir wollen im Folgenden unseren für viele überraschenden Schritt begründen. Desweiteren wollen wir in dieser Erklärung die Entwicklung der einzelnen Bereiche unseres Projektes kurz zusammenfassen und darstellen, wie es weitergehen kann und soll.

1. Die Homepage (www.geister-bremen.de)
Unsere über die Jahre gewachsene Homepage bleibt selbstverständlich als Dokument und Informationsquelle online im Netz. Nach und nach wird auch unsere dritte, große Broschüre (siehe unten) – wie bereits begonnen – ins Netz gestellt werden. Die Mailadresse (geister.bremen@gmx.de) wurde bereits mit Hilfe eines Auto-Responders geschlossen. Es hat auf diesem Wege also keinen Zweck mehr, uns zu schreiben. Ihr könnt Euch aber gerne an die anderen Gruppen und Initiativen wenden (siehe Startseite).

2. Der Aufruf
Angefangen hatte alles im Frühjahr 1998 mit einem von Bremer Dark Wave-DJs gestarteten Aufruf, dem rechten “Kulturkampf” in unserer Szene Einhalt zu gebieten und diesen auf allen Ebenen zu boykottieren. Dies bezog sich zunächst vor allem auf den sogenannten “DJ-Boykott”, d. h., die den Aufruf unterzeichnenden DJs erklärten damit, sich zu weigern, Musik von rechten Künstlern zu spielen. Nach und nach erweiterte sich dieser Aufruf um den Boykott von Werbeanzeigen rechter Verlage, Labels und Zeitschriften innerhalb der Musikpresse, die Weigerung von Bands, mit rechten Künstlern, Veranstaltern oder Unternehmen zusammenzuarbeiten und um die Aufforderung zu einer kritischen Berichterstattung über die betreffenden Bands. Den Aufruf haben inzwischen über Hundert DJs, Bands, Fanzines, Labels, Läden, Veranstalter, Radiomacher und Homepage-Betreiber unterzeichnet, darunter auch die bekanntesten Künstler der schwarzen Szene. Diesen Aufruf zum Widerstand gegen rechte Tendenzen in der Dark Wave-Szene werden wir weiterhin verbreiten und neue UnterzeichnerInnen sind auch in Zukunft gerne gesehen. Wendet Euch dazu bitte per Mail an den Webmaster. Der aktuelle Stand kann auch künftig auf www.geister-bremen.de unter der Rubrik “Aufruf” nachgelesen werden.

3. Die Broschüren
Schon der erste Aufruf erschien 1998 in Form einer kleinen Broschüre unter dem Titel “Die Geister, die ich rief...” in drei Auflagen (Bremen, Berlin), die kostenlos beim Wave-Gotik-Treffen, dem Zillo-Festival sowie auf Konzerten, in Discotheken und Clubs verteilt wurde. Erst die überwältigende (positive) Resonanz aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland brachte uns überhaupt auf die Idee, das Projekt Grufties gegen Rechts / Music for a new Society über Jahre fortzuführen und stetig zu erweitern. Die zweite Broschüre “Die Katastrophe der Phrasen” von 1999 hatte unsere Enttäuschung über die unkritische und manchmal verfälschende Berichterstattung in der Musikpresse zum Hauptthema. Dies haben wir damals insbesondere an Kirlian Camera und Josef Klumb (Forthcoming Fire, Weissglut, Von Thronstahl etc.) festgemacht. Die dritte Broschüre, “Die Geister, die ich rief...” (Ausgabe 2, Juni 2000), war das Ergebnis der Auswertung unseres mittlerweile dank der Unterstützung von SympathisantInnen aus der schwarzen Szene und außerhalb stetig angewachsenen Archivs. Die 84 seitige Broschüre zeigt in aller notwendigen Differenziertheit anhand exemplarischer Beispiele (Bands, Fanzines, rechte Presse, Musikpresse usw.), auf welchen völkischen Ideologien der rechte Kulturkampf fußt und wie er sich innerhalb der schwarzen Szene Geltung verschafft. An der Entstehung waren erstmalig nicht nur Bremer Gothics beteiligt, sondern ein bundesweites ehrenamtliches Redaktionsteam. Die Resonanz auf diese Dokumentation, Analyse und Kritik war – nicht nur bei Gothics – groß. Diese Broschüre haben wir als einzige verkauft, was bisweilen leider auch dazu führte, daß wir mit der Bearbeitung der Bestellungen überfordert waren, wofür wir uns an dieser Stelle ausdrücklich bei den Betroffenen entschuldigen möchten! Dieses (wie auch die anderen Broschüren) mittlerweile vergriffene "Hauptwerk" der Grufties gegen Rechts Bremen / Music for a new Society wird nach und nach als PDF-Version auf unserer Homepage zum Downloaden veröffentlicht werden. Im übrigen soll es einen Nachdruck davon geben, womit wir das verbleibende Geld auf unserem Konto, welches größtenteils aus gewonnenen Preisgeldern von Stiftungen und Wettbewerben gegen Rechtsextremismus stammt, zweckgebunden investieren. Wir werden auch in Zukunft Wege finden, diesen Bestand “unter die Leute” zu bringen... Die vierte und letzte Broschüre “Die letzte Walpurgisnacht” von 2002 war ein letzter (vergeblicher) Versuch, die Veranstalter des Wave-Gotik-Treffens (WGT) in Leipzig zur Einsicht bezüglich rechter Tendenzen auf ihrem Festival zu bringen. Es hat sich jedoch gezeigt, daß die Veranstalter nicht unwissend sind, sondern wissentlich und willentlich rechten Bands Auftrittsmöglichkeiten geben und rechten Verlagen und Labels Standgenehmigungen erteilen. Hier zeigten sich die “Grenzen der Aufklärung”: Was nützt es, wenn wir jahrelang an die Veranstalter des WGT mit belegbaren und genau recherchierten Informationen appellieren, wenn diese schlichtweg kein Interesse haben, den rechten Tendenzen auf ihrem Festival Einhalt zu gebieten? Da das WGT als “Jahreshauptversammlung” der Gothics schwer boykottierbar ist (wenngleich viele Individuen genau dies praktizieren), begrüßen wir Ansätze wie die von Mila Mar im selben Jahr (die Band verteilte ein Flugblatt und eine Presseerklärung gegen die rechten Tendenzen, siehe unsere Homepage) oder die in den letzten Jahren stattgefundenen parallelen Alternativ-Veranstaltungen in Leipzig. Auch über neue Formen des gewaltfreien Widerstandes wird in Zukunft nachzudenken sein, um die Rechten vom Festival zu vertreiben. Unsere vier Broschüren, die in einer Gesamtauflage von ca. 25 000 Exemplaren überwiegend kostenlos verteilt worden sind, bilden einen Fundus zum Verständnis der Problematik des rechten Kulturkampfes. Während die erste Broschüre noch kleine, aber ärgerliche Ungenauigkeiten enthielt, sind alle folgenden Broschüren inhaltlich “dicht”, genau recherchiert und komplett mit Originalquellen belegt. Wie sich mehrfach zeigte, halten sie auch juristischen Anfechtungen stand. Alle Broschüren sind online auf der Homepage einsehbar und können als Grundlage für neue Aktivitäten in anderen Städten und als Orientierung für Fans und JournalistInnen dienen. Auch wenn es sicherlich immer wieder neue rechte Bands, Zeitschriften und Entwicklungen gibt, finden wir, daß wir das Wesentliche zum Thema gesagt haben. Die meisten Informationen sind ohnehin frei über das Internet zugänglich und wer will, kann sich mit entsprechender Recherche leicht ein eigenes Bild machen. Die Mechanismen wiederholen sich, doch für einen wachsamen und kritischen Blick haben wir mehr als genug Material zusammengetragen. Macht was draus!

4. Vortrags-, Informations- und Diskussionsveranstaltungen
Unsere ReferentInnen stehen auch in Zukunft für öffentliche Vortragsveranstaltungen zur Verfügung. Sie werden als ehemalige MitarbeiterInnen der Grufties gegen Rechts Bremen / Music for a new Society ausgewiesen. Wir wollen mit der Fortführung dieser Vorträge die Diskussion in anderen Städten und neue Aktivitäten im gesamten Bundesgebiet wie auch im Ausland anregen. Anfragen bitte an:
Kulturzentrum Schlachthof
Betreff: GgR-Vorträge
Findorffstr. 51,
28215 Bremen
Fax: 0421 / 37 77 511

5. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dieser, in der Vergangenheit außerordentlich wichtige, Bereich von Zeitungs- bis Fernsehbeiträgen wird von unserer Seite künftig natürlich wegfallen. Nun ist es an der (vor allem Musik-) Presse, einige unsägliche “Patzer” der Vergangenheit nicht zu wiederholen... Für mit der Auflösung in Zusammenhang stehende Berichterstattung können Presseanfragen noch bis zum 31. Januar 2004 an das Kulturzentrum Schlachthof (Adresse s. o.) gerichtet werden.

6. Postbeantwortung
Die größte Arbeit machte in der Vergangenheit die Beantwortung der nicht abreissenden Anfragen per E-Mail, Telefon und Post. Aufgrund der damit verbundenen Arbeit gelang es uns leider manchmal nicht, auf alles einzugehen. Dies tut uns sehr leid und wir entschuldigen uns hiermit bei den Betroffenen, die viel zu lange (oder bis heute) auf Antwort warten mußten! Dies ist auch einer der wesentlichen Gründe für die Einstellung der politischen Arbeit. Es ist für uns undenkbar, Anfragen nicht zu beantworten; gleichzeitig war es für eine ehrenamtliche Gruppe ohne bezahlte Stellen schlichtweg nicht mehr zu bewerkstelligen (die meisten unserer MitarbeiterInnen arbeiten oder studieren). Vor allem Anfragen, die in Zusammenhang mit den zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema an Universitäten und Hochschulen standen, waren oft sehr zeitraubend für uns. Wir hoffen aber, mit der Homepage und dem künftig öffentlich zugänglichen Archiv (siehe Punkt 7) solche wichtigen Arbeiten auf diese Weise weiterhin unterstützen zu können. Wir möchten uns auf diesem Wege noch einmal bei allen Schwarzen und Nicht-Schwarzen bedanken, die uns geschrieben, aufgemuntert, weitergeholfen und informiert haben, genauso wie bei denen, die uns kritisiert oder mit Fragen bombardiert haben. Ohne Euch wären wir nicht so weit gekommen!

7. Das Archiv
Unser Archiv werden wir einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen als dies bisher der Fall war. Wer also künftig – ob Waver, Publizist, Student, Wissenschaftler oder auch einfach interessierte Privatleute – zum Thema recherchieren will, muß nicht mehr den Umweg über uns machen. Als Ort haben wir uns für das Archiv der Sozialen Bewegungen in Bremen entschieden. Das Archiv archiviert Bestände aus dem außerparlamentarischen Widerstand gegen Krieg, Faschismus, Patriarchat, Rassismus, Antisemitismus, Atomkraft, Umweltzerstörung usw. seit den 50er Jahren. In diesem außerparlamentarischen Kontext fühlen wir uns wohl und wir wollen dieses Projekt mit der Überlassung unseres Materials unterstützen. Um das Archiv auch in Zukunft auf aktuellem Stand zu halten, können Beiträge, Zeitschriften und Kopien direkt an das Archiv der Sozialen Bewegungen (Betreff: Sammlung Grufties gegen Rechts) geschickt werden.
Archiv der Sozialen Bewegungen
St. Pauli-Str. 10 – 12,
28203 Bremen
Fax: 0421 / 75 682
e-mail: archivbremen@niatu.net
Internet: http://www.archivbremen.de
Öffnungszeiten: Mi, 16.30 -19.00 Uhr und nach Absprache mit dem Archiv

8. Kulturelle Aktivitäten
Geistertanz-Parties und Konzerte Wichtig neben der politischen Aktivität war uns in den vergangenen Jahren immer auch die Förderung unserer schwarzen Subkultur selbst – das, was sich im zweiten Teil unseres Namens ausdrückte: “Music for a new Society”. Nicht zuletzt wollten wir damit beweisen, daß es auch anders geht und die Szene ganz gut ohne die rechten “Kulturkämpfer” klarkommt. • Zu dieser “Gegenkultur” gehörten Konzertveranstaltungen mit von uns geschätzten KünsterlerInnen. Im Zusammenhang mit unserem Projekt aufgetreten sind in Bremen: Gitane DeMone, Cadra Ash, Faith & The Muse, Einstürzende Neubauten, Anam Kara, Mila Mar, La Locust Èrotique, Die Untoten, Kontrast, Whispers In The Shadow, The House Of Usher, On The Floor, Bloody Cartoon, Chromatron, Nora Below, Zeraphine und Neon Dream. Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen beteiligten KünstlerInnen für die tollen Konzerte bedanken. Dank geht auch an Goethes Erben und Deine Lakaien für die Ermöglichung und Unterstützung von Infoständen auf ihren Konzerten. • Die monatliche Party-Veranstaltung “Geistertanz” wird wie gewohnt im Bremer Kulturzentrum Schlachthof weitergehen (1. Samstag im Monat)! Der Kreis, der die monatliche Geistertanz-Party und Konzerte gegen rechts künftig veranstalten wird wahrscheinlich Initiative Schwarz statt Braun heißen, mit eigener Homepage demnächst im Netz vertreten sein und von http://www.geister-bremen.de aus verlinkt werden. Zusätzlich wird es eine weitere Party gegen Rechts unter dem Namen “Lunatic Goth Asylum” geben, die viermal im Jahr im Schlachthof stattfinden soll. Sie wird im nächsten Jahr zunächst auf den Geistertanz-Terminen stattfinden, ab 2005 dann zusätzlich und unabhängig. Damit wird es mittelfristig zu einer Vermehrung von Gothic-Veranstaltungen gegen Rechts aus dem ehemaligen Kreis der GgR in Bremen kommen! Hintergrund für diese Verdopplung der Party-Teams sind übrigens bei aller politischen Einigkeit zum Ausdruck gekommene unterschiedliche Präferenzen im kulturellen Bereich. Gefreut haben wir uns, daß unsere Geistertanz-Gäste in den letzten Jahren durch das Spenden eines Teiles des Eintrittsgeldes die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen (www.basicrights.de) unterstützt haben. Es war und bleibt uns ein (oft zu kurz gekommenes) Anliegen, den Kampf für Menschenrechte auch jenseits der schwarzen Szene zu fördern.

9. Überregionale Bedeutung
Ein Punkt, den wir immer zwiespältig gesehen haben, war die von außen an uns herangetragene Funktion einer Art "Bundeszentrale" der Grufties gegen Rechts in Bremen. Wir selbst haben unsere Aktivitäten jedoch immer mehr als Teil einer im entstehen begriffenen Bewegung gegen rechte Tendenzen in der Dark Wave-Szene verstanden. So haben wir die Gründung weiterer Gruppen, die Entstehung weiterer Homepages gegen Rechts, die Aktivitäten von Einzelpersonen, Künstlern usw. von Anfang an ausdrücklich begrüßt. Dennoch wurde uns bis zuletzt die Rolle einer “Zentrale” aufgedrückt, die im übrigen auch für alles mögliche, womit wir nichts zu tun hatten, verantwortlich gemacht wurde. Statt dessen hoffen wir nun, daß sich in anderen Städten und Regionen neue, unverbrauchte Initiativen gegen Rechts gründen werden. • Wir rufen hiermit die schwarze Szene zur inflationären Neugründung von Initiativen gegen Rechts auf! In diesem Zusammenhang sei noch einmal betont, daß es sich hier lediglich um eine Auflösung der Bremer Gruppe Grufties gegen Rechts / Music for a new Society handelt, von der alle anderen Initiativen unberührt sind. Und auch in Bremen werden (siehe oben) die Aktivitäten aus der schwarzen Szene gegen Rechts weitergehen. Was die Verwendung des Namens Grufties gegen Rechts sowie die Verwendung der Logos betrifft, so sind diese wie bisher frei zugänglich, solange Ihr Euch inhaltlich mit unseren bisherigen Aktivitäten identifizieren könnt. Dazu gehört insbesondere der Boykott rechter Verlage, Bands und Zeitschriften auf Euren Veranstaltungen oder in Euren Publikationen. Unsere inhaltlichen Kriterien können unseren Texten und Broschüren entnommen werden. Gegen Mißbrauch, der unseren Ruf schädigt, werden wir uns indessen auch in Zukunft wehren.

10. Verabschiedung
Wie hoffentlich aus dieser Erklärung deutlich wird, ist die Menge der zu erledigenden Arbeit über die Jahre nicht weniger geworden, sondern gewachsen. Im Laufe der Jahre hat sich aber auch die Bremer GgR-Gruppe selbst verändert, einige Leute sind gegangen, neue Leute sind gekommen, was auch veränderte Prioritäten in der Arbeit mit sich brachte. Diese Veränderungen haben in der letzten Zeit dazu geführt, daß Teile der selbst gestellten Aufgabe – wie z. B. die Beobachtung von und die Reaktion auf aktuelle Entwicklungen, Öffentlichkeitsarbeit, die Beantwortung der Post, die Pflege des Archivs, etc. – nicht mehr in der von uns gewünschten Intensität und Qualität geleistet werden konnten. Deshalb haben wir uns entschlossen diese Teile der Arbeit einzustellen. Nichtsdestotrotz gibt es heute mehr Leute denn je, die bereit sind, aktiv gegen den rechten Kulturkampf zu arbeiten und dies in unterschiedlichster Form (nicht nur in Bremen) auch tun. Das wird sich sicherlich in Zukunft in vielfältiger Art und Weise ausdrücken. Man soll immer aufhören, wenn es am schönsten ist. Und das Jubiläums-Festival und die 5-Jahres-Marke sind für uns ein schöner Abschluß. Wir finden, daß wir in der Vergangenheit viel erreicht und reichlich Bewegung in die schwarze Szene gebracht haben – ein Gespenst ging um in der Dark-Wave-Szene. Wir wollen nun 5 Jahre Grufties gegen Rechts Bremen / Music for a new Society als “Meilenstein” (aus der Post) stehen lassen. Wer weiß, vielleicht fühlen sich ja gerade durch die Auflösung andere Leute bereit, die offensichtlich entstandene Lücke zu füllen. • So sehen wir z. B. noch großen Handlungsbedarf im Bereich von Verlinkungen zu Seiten gegen Rechts im Bereich der zahlreichen schwarzen Homepages, bei der gewaltfreien Verhinderung von rechten Konzertveranstaltungen, der Kritik am Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, der Verkaufspraxis vieler Plattenläden und Mailorder sowie der, insgesamt zwar kritischer gewordenen, aber noch lange nicht zufriedenstellenden Berichterstattung in der Musikpresse. • Nur mit einer Vermehrung und Ausbreitung von Gegenaktivitäten zum rechten Kulturkampf werden wir diesen zum Stoppen bringen und damit einen unwiederbringlichen Schaden von unserer schwarzen Subkultur abwenden können. Möge der von o. g. braunen Kameraden voreilig gekippte Sekt Ihnen im Halse stecken bleiben! Für eine blühende Subversion in schönen Kleidern. Leistet Widerstand gegen Rassismus, Antisemitismus, völkisches Gedankengut!
• Grufties gegen Rechts Bremen / Music for a new Society

P.S.: Ein herzliches Dankeschön und schwarze Grüße gehen an dieser Stelle an
• alle Gothics, die uns in den letzten Jahren unterstützt, ermuntert sowie mit- bzw. weitergeholfen haben
• das Kulturzentrum Schlachthof für die finanzielle, infrastrukturelle und moralische Unterstützung in den letzten fünf Jahren und auch in Zukunft
• an alle Einzelpersonen, Journalisten, Redaktionskollektive, Institute, Veranstalter, Initiativen, Archive, Buchläden, Gruppen und Zeitschriften, Gewerkschaften und Stiftungen, die uns in den vergangenen Jahren inhaltlich oder finanziell unterstützt oder zu Vorträgen eingeladen haben.